Linksreformismus: Paradoxe Interventionen
Statement zur Eröffnung der Linksreformismus-Tagung 2011 von Leonhard Dobusch
Bei unserer Auftaktveranstaltung Mitte September letzten Jahres hatten wir ein hochkarätiges Podium mit Chefredakteuren verschiedener Zeitungen besetzt und die Frage gestellt „Wo steht der linke Reformdiskurs?“ Das Podium war sich in vielem nicht einig, konnte sich aber zumindest auf eine Person verständigen. Der österreichische Publizist Robert Misik wurde quer über das Podium wohlwollend zitiert. Aus familiären Gründen ist er leider heute nicht hier, ich möchte zum Einstieg aber dennoch kurz zwei Sätze aus seinem jüngsten Buch, der „Anleitung zur Weltverbesserung“ zitieren:
„Wir können uns im Grunde gar nicht vorstellen, wie das praktisch gehen sollte mit der Weltverbesserung. Selbst wenn wir eine ungefähre Idee davon haben, welche Reformen, Gesetze und Maßnahmen unsere Gesellschaft ein Stück weit besser, gerechter und funktionstüchtiger machen würden, scheint es uns ziemlich undenkbar, dass diese in absehbarer Zeit durchgesetzt werden können in einem politischen Betrieb, der von blutleeren Karrieristen oder altmodischen Apparatschikks geprägt und von mächtigen Lobbygruppen gekapert ist.“
Genau an dieser Stelle, an dieser nur allzu wahren und ernüchternden Bestandsaufnahme, versucht nun die Idee von Linksreformismus – als Konzept, als Projekt, und als Tagung – anzusetzen. Die Art und Weise, mit der wir das versuchen, ist dabei aber eine in mehrfacher Hinsicht paradoxe:
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